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Der SiS Talk: Julia Röseler
In dieser Folge spricht Kristina C. Bernhöft mit Julia Röseler, systemische Coachin für mentale Gesundheit, über ein sensibles Thema zwischen Haut und Psyche: Skin Picking, auch bekannt als Dermatillomanie.
Was viele als schlechte Angewohnheit missverstehen, ist in Wahrheit eine anerkannte psychische Störung aus dem Zwangsspektrum (ICD-11). Julia beschreibt ihren eigenen Weg – vom schleichenden Beginn in der Pubertät bis zum langen Prozess der Akzeptanz und Aufklärung. Sie erklärt, warum Skin Picking nichts mit mangelnder Disziplin zu tun hat, sondern häufig eine Strategie zur Stress- und Emotionsregulation ist – ausgelöst durch visuelle oder taktile Trigger wie Spiegel, Unebenheiten oder bestimmte Lichtsituationen.
Ein zentraler Punkt der Folge: Was können Kosmetikerinnen und Kosmetiker in solchen Fällen tun – und was nicht?
Julia betont, dass gerade sie eine Schlüsselrolle spielen, weil sie den direkten Zugang zur Haut haben – aber dieser Zugang Sensibilität erfordert. Es geht nicht darum, Verhalten zu verurteilen oder zu korrigieren („Sie müssen aufhören, Ihre Haut zu berühren“), sondern darum, Verständnis und Sicherheit zu vermitteln. Sprache, Haltung und Setting werden so zu therapeutisch unterstützenden Werkzeugen – ohne dass die Behandlung zur Therapie wird.
Praktisch bedeutet das:
Julia beschreibt, wie wertvoll es ist, wenn ein Studio diese Haltung sichtbar lebt – wenn Menschen mit Skin Picking nicht das Gefühl haben, „falsch“ zu sein, sondern mit ihrem Hautzustand ernst genommen werden.
„Meine Haut darf so facettenreich sein wie ich.“
Diese Folge zeigt eindrücklich, dass professionelle Hautpflege weit über die Oberfläche hinausgeht – und dass Empathie, Wissen und Achtsamkeit zu den wirksamsten „Wirkstoffen“ gehören.